
13.05.2012 Bildergalerie aktualisiert
12.05.2012 Einsätze aktualisiert
12.05.2012 Links aktualisiert
Verkehrsunfall LKW auf PKW St. 2235, Person eingeklemmt
Am Montag dem 09.08.2010, ein hochsommerlicher Tag mit ca. 30 Grad, fährt um kurz nach 13 Uhr ein mit Straßenabrieb beladener Sattelzug auf der Autobahn Richtung Regensburg. Kurz vor der AS Laaber fährt der LKW aus bisher ungeklärter Ursache auf den Verzögerungsstreifen der Autobahnausfahrt, der sich bereits über der Autobahnunterführung befindet und gerät auf das unbefestigte Bankett. Hierbei wurden ca. 70 m Leitplanke sowie ein Ausfahrthinweisschild niedergewalzt. Nachdem der schwere LKW die Böschung herabgestürzt war, überschlug er sich, traf mit der rechten Führerhaushälfte auf der Betondecke der Autobahnunterführung auf und stürzte völlig demoliert 7 m hinab, auf die darunter verlaufende Staatstraße 2235 Laaber – Kallmünz. In diesem Moment passierte eine 30-jährige Mutter mit ihrem PKW die Autobahnunterführung. Der PKW hatte die Unterführung bereits ca. 2 m verlassen, da stürzte der Sattelzug auf den mittleren und hinteren Bereich des PKW, der auf ca. 80 cm platt gedrückt wurde. Glücklicherweise wurde bereits durch den Aufprall auf das Brückenportal die Vorderachse des LKW herausgerissen und landete im gegenüberliegenden Straßengraben. Die Fahrerin wurde schwerst eingeklemmt, sie hatte jedoch Glück im Unglück, da der LKW genau mit dem Radkasten auf dem PKW im Fahrerbereich zum Liegen kam und hierbei das Dach nicht komplett eingedrückt wurde. Eine weitere gesundheitliche Gefährdung für die Verletzte ergab sich durch enorme Mengen an Dieselkraftstoff und Hydrauliköl, die sich in die Fahrgastzelle ergossen haben.
Die Bewohner der nahe gelegenen Ortschaft Hinterzhof wurden um ca. 13:00 Uhr durch einen ohrenbetäubenden Knall aus der Mittagsruhe gerissen. Daraufhin eilten die Dorfbewohner zur Unfallstelle, darunter ein Mitarbeiter der bekannten Pralinenfabrik Confiserie Seidl. Dieser handelte geistesgegenwärtig und sicherte mit seinem Stapler den LKW gegen weiteres Abrutschen.
Um 13:19 Uhr gingen die ersten Notrufe bei der Integrierten Leitstelle in Regensburg ein, die für die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Regensburg zuständig ist.
Um 13:21 Uhr wurde Alarm für die Stützpunktfeuerwehren Markt Laaber, Markt Beratzhausen und Undorf, sowie die First Responder Einheit der Feuerwehr Rechberg und den zuständigen KBM Josef Paulus ausgelöst.
Als erstes Feuerwehrfahrzeug traf das Löschgruppenfahrzeug aus Laaber sowie KBM Paulus an der Einsatzstelle ein. Den Einsatzkräften bot sich ein furchtbarer Anblick.
Fast zeitgleich trafen das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 sowie das Merzweckfahrzeug der Feuerwehr Laaber an der Einsatzstelle ein. Nach erster Erkundung und Absicherung der Einsatzstelle, erreichten die Feuerwehren Beratzhausen mit ELW 1 und Versorgungs-LKW mit Verkehrssicherungshänger sowie die Feuerwehr Undorf mit dem Löschgruppenfahrzeug 8 die Einsatzstelle.
Noch während der Erkundungsphase durch Gruppenführer Manuel Ostermeier der Feuerwehr Markt Laaber, wurden die beiden Rettungssätze aus dem LF 10/6 und TLF 16/25 auf Geräteablagen in Stellung gebracht, die sich in der Folge des Einsatzes sehr bewährten. Da durch den Aufprall der Tank des LKW aufgerissen wurde und sich mehrere 100 Liter Diesel über die Unfallstelle verteilten, wurde durch das TLF 16/25 der 3-fache Brandschutz (Wasser, Schaum, Pulver) sichergestellt.
Der Angriffstrupp des LF 10/6 erstellte eine Erstöffnung. Hierbei klagte die Fahrerin über enorme Atemprobleme, die durch den stark eingedrückten Dachbereich verursacht wurden. Vom Angriffstrupp wurde ein Rettungszylinder eingesetzt, um die Eingeklemmte in ihrer Lage etwas zu entlasten. Die Erstbetreuung der Person wurde daraufhin von der First Responder Gruppe geleistet. Besonders kritisch war die Ungewissheit, ob sich Kinder im Fondbereich des Fahrzeuges befinden würden, da in Bayern zu diesem Zeitpunkt bereits die Sommerferien begonnen hatten. Nach mehrmaliger Befragung der eingeklemmten Fahrerin stellte sich aber heraus, dass die Kinder im Kindergarten seien und sich niemand außer ihr im Fahrzeug befände. Zeitgleich wurde der schwerverletzte LKW Fahrer, der bereits beim Eintreffen der Einsatzkräfte am Straßenrand saß, von einem weiteren First Responder betreut und erstversorgt.
Da die Sicherung des LKW durch Hebekissen nicht möglich war und die Anfahrt eines Autokranes aus Regensburg zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, beauftragte der Gruppenführer eine Polizeistreife, in der nahe gelegenen Ortschaft Brunn einen Bagger bei der Baufirma Schlamminger zu organisieren. In der Zwischenzeit sicherte die Feuerwehr Undorf mit ihrem Greifzug die Zugmaschine des verunfallten LKW gegen weiteres Herabstürzen. Andere Gefahrenschwerpunkte waren herabhängende Brückengeländerteile sowie die abgerissene Autobahnbeschilderung der darüber liegenden Autobahnbrücke. Diese Gefahrenquellen wurden von Mitarbeitern der Autobahnmeisterei gesichert. Ein Kranwagenführer, der auf der Gegenfahrbahn der Autobahn mit der Montage eines Ausfahrtschildes beschäftigt war, bemerkte den Unfall und begab sich umgehend mit seinem Fahrzeug zur Unfallstelle und unterstützte die Feuerwehr Undorf, die ihren Greifzug daraufhin zurückbauen konnte. Dadurch wurde ein weiteres Abrutschen des LKW verhindert.
Die Integrierte Leitstelle erhielt eine weitere Rückmeldung darüber, ob ausreichend Notärzte und Rettungsdienste verständigt wurden.
Um 13:40 Uhr lässt KBM Paulus die Feuerwehren Brunn, Frauenberg und Endorf zur Verkehrslenkung alarmieren, da die Feuerwehr Beratzhausen, mit der wir viele technische Hilfe Einsätze absolvieren, zu den Rettungsmaßnahmen hinzugezogen und von der Verkehrsabsicherung abgezogen wurde.
Des Weiteren wurden die Feuerwehren Hemau und Kallmünz vorsorglich nachalarmiert.
Zwischenzeitlich bereitete man Anschlagpunkte für den uns zugesicherten Bagger vor, der in Kürze erwartet wurde.
Aus Stabilitätsgründen verzichtete man auf die Entfernung der Fahrertür, aber hiermit schied auch die Möglichkeit aus, den Vorderbau mit einem Rettungszylinder wegzudrücken. Aus diesem Grunde entschied man sich, den Spreitzer LSP 60 mit Kettensatz auszurüsten, um bei Bedarf die Lenksäule nach vorne zu ziehen. In dieser Zeit trafen die Notärzte und der ITH Regensburg an der Einsatzstelle ein und übernahmen die weitere Versorgung der beiden Schwerverletzten.
Aufgrund der Umweltgefährdung durch große Mengen des ausgelaufenen Diesels und Hydrauliköls, veranlasste KBM Paulus die Alarmierung des Wasserwirtschafts- und Landratsamtes.
In der Zwischenzeit traf der Bagger an der Einsatzstelle ein, wurde sofort an den vorbereiteten Anschlagpunkten fixiert und der LKW mit Rüsthölzern unterbaut.
Jetzt konnte der Fensterrahmen mit dem Schneidgerät durchtrennt und das komplette Dach mit dem Rettungszylinder nach oben gedrückt werden, welches man mit Rüstholz sicherte. Da wegen der langwierigen Sicherungsmaßnahen wertvolle Zeit verstrich war, drängte der Notarzt auf eine baldige Befreiung der Frau. Die Fahrerin war im Fußbereich nicht eingeklemmt und konnte um 14:21 Uhr durch die geschaffene Rettungsöffnung mittels Spineboard befreit und dem Rettungsdienst zur weiteren Versorgung übergeben werden.
Nachdem die Rettungsmaßnahmen abgeschlossen waren und sich das Eintreffen des Gutachters verzögerte, konnten sich die erschöpften Rettungskräfte eine Ruhepause gönnen. In dieser Zeit kamen Mitarbeiter des Bergungsunternehmens Hofmeister aus Regensburg mit schwerem Bergegerät zu der Einsatzstelle.
Fast zeitgleich trafen der Bürgermeister des Marktes Laaber, Willi Hogger, und sein Amtskollege aus der Gemeinde Brunn, Karl Söllner, an der Einsatzstelle ein, um sich ein Bild von den Geschehnissen vor Ort machen zu können.
Um 15 Uhr rückte der Laaberer Kommandant Jürgen Müller, der seine Arbeitsstätte in Regensburg verlassen durfte, mit weiteren Einsatzkräften der Feuerwehr Laaber zur Einsatzstelle aus, um die Helfer an der Einsatzstelle mit kalten Getränken zu versorgen.
Nach der Erholungspause begannen der Rückbau und die Reinigung der Einsatzgeräte und es erfolgte eine Neuordnung der Fahrzeugaufstellung, um Platz für das Bergefahrzeug zu schaffen.
Die Feuerwehren Undorf und Beratzhausen, sowie die First Responder der Feuerwehr Rechberg rückten von der Einsatzstelle ab und kehrten zu ihren Standorten zurück.
Da die Ausrüstung stark mit Diesel und Hydrauliköl verunreinigt war, wurde veranlasst, dass ein LKW des Bauhofes des Marktes Laaber zur Einsatzstelle anrückt, um die Gerätschaften zum Feuerwehrgerätehaus Laaber zu transportieren. Gleichzeitig rückte das Löschgruppenfahrzeug der Feuerwehr Laaber von der Einsatzstelle ab, um die Einsatzgerätschaften zu reinigen und die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen.
Die restlichen Einsatzkräfte verblieben an der Einsatzstelle, um diese weiträumig abzusperren sowie den Brandschutz bei der Bergung sicherzustellen. Ebenfalls unterstützten Einsatzkräfte den Unfallgutachter bei seiner Arbeit. Die Autobahnmeisterei Pollenried unter der Leitung von Hr. Kubik, die bereits seit 14 Uhr den Verzögerungsstreifen der Bundesautobahn A3 Ausfahrt Laaber sperrte, begann nun mit der Erneuerung der zerstörten Leitplanken auf der Autobahnüberführung.
Um 17:50 Uhr konnte endlich mit der Bergung der verunfallten Fahrzeuge begonnen werden, da der Gutachter seine Arbeit beendet hatte.
Die Bergemaßnahmen dauerten bis ca. 20 Uhr, da sich die Bergung des LKW schwierig gestaltete.
Aufgrund der Anordnung des Alarmbeauftragten des Landratsamtes Regensburg, der einen größeren Bodenaustausch anordnete und es sich abzeichnete, dass der Einsatz noch längere Zeit andauern würde, veranlasste KBM Paulus eine Nachalarmierung bei den anwesenden Feuerwehren, um weiteres Personal auszutauschen.
Das Löschgruppenfahrzeug aus Laaber verließ um 20:56 Uhr mit dem Lichtmastanhänger erneut das Gerätehaus in Richtung Unfallstelle, um die Einsatzstelle großflächig auszuleuchten, da die Firma Schlamminger mit dem Bodenaustausch begonnen hatte.
Gegen 22:56 Uhr wurde der Einsatz von KBM Paulus vorzeitig abgebrochen, um am Folgetag bei Tageslicht beendet zu werden. Hierbei wurden die Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehren Laaber und Beratzhausen alarmiert, um Kanalspülarbeiten durchzuführen.